Ein Mopedauto fährt 45 km/h, braucht keinen Pkw-Führerschein und trägt nur ein kleines Versicherungskennzeichen. Genau diese drei Eigenschaften werfen an der Grenze Fragen auf: Erkennt Österreich den Führerschein AM an? Reicht das Versicherungskennzeichen als Nachweis? Und was gilt in der Schweiz, die nicht zur EU gehört? Hier finden Sie die Regeln für die Nachbarländer, jeweils mit der Quelle, aus der sie stammen.
Das Wichtigste auf einen Blick
| Land | Mopedauto erlaubt? | Mindestalter für Sie (deutscher Führerschein) | Mindestalter für Einheimische | Grüne Karte |
|---|---|---|---|---|
| Österreich | ja, Klasse AM | 16 Jahre | 15 Jahre | nicht Pflicht |
| Niederlande | ja, als „brommobiel” | 16 Jahre | 16 Jahre | nicht Pflicht |
| Frankreich | ja, als „voiturette” | 16 Jahre | 14 Jahre | nicht Pflicht |
| Italien | ja, als „quadriciclo leggero” | 16 Jahre | 14 Jahre | nicht Pflicht |
| Polen | ja, als „czterokołowiec lekki” | 16 Jahre | 14 Jahre | nicht Pflicht |
| Schweiz | nicht amtlich bestätigt | vor der Reise beim ADAC prüfen | vor der Reise beim ADAC prüfen | nicht Pflicht |
| Dänemark | nicht amtlich bestätigt | vor der Reise beim ADAC prüfen | vor der Reise beim ADAC prüfen | nicht Pflicht |
Die Spalte „für Sie” ist die entscheidende. Wer seinen Führerschein in Deutschland gemacht hat, darf im EU-Ausland erst ab 16 fahren, auch dort, wo die Jugendlichen des Landes schon mit 14 oder 15 unterwegs sind.
Mopedauto im Ausland: was der deutsche Führerschein AM erlaubt
Ein Mopedauto ist rechtlich ein vierrädriges Leichtkraftfahrzeug der Klasse L6e: höchstens 425 kg Leergewicht, höchstens 45 km/h. In Deutschland fahren Sie es mit der Führerscheinklasse AM, die es seit 2021 bundesweit ab 15 Jahren gibt. Ein Führerschein der Klasse B schließt AM ein.
Innerhalb der EU gilt der Grundsatz der Führerscheinrichtlinie 2006/126/EG: Führerscheine aus einem Mitgliedstaat werden in allen anderen anerkannt. Die Richtlinie setzt das Mindestalter für AM auf 16 Jahre und erlaubt den Staaten, nach unten abzuweichen. Wer seinen Führerschein früher bekommt, darf damit bis zum 16. Geburtstag aber nur im eigenen Land fahren.
Deutschland hat das im Führerschein selbst vermerkt. Mit 15 erworbene AM-Führerscheine tragen die Schlüsselzahl 195, laut ADAC bedeutet sie: bis zum 16. Geburtstag nur in Deutschland. Fahrten im Ausland sind mit 15 verboten, auch auf dem kurzen Stück hinter der Grenze.
Mopedauto in Österreich
Österreich kennt das Mopedauto unter dem Namen Microcar. Laut oesterreich.gv.at braucht man dafür die Klasse AM, die technischen Grenzen entsprechen den deutschen (425 kg, 45 km/h, 6 kW). Österreichische Jugendliche dürfen ab 15 fahren.
Für Sie als deutsche Fahrerin oder deutscher Fahrer zählt trotzdem die Schlüsselzahl 195: Unter 16 bleibt der Weg nach Salzburg oder Innsbruck versperrt, ab 16 ist der deutsche AM-Führerschein dort voll gültig. Was in den Städten selbst zu beachten ist, beschreiben unsere Ratgeber für Wien und Salzburg.
Mit dem Mopedauto in die Schweiz
Die Schweiz ist der Sonderfall unter den Nachbarn. Sie gehört nicht zur EU, die Führerscheinrichtlinie gilt dort also nicht. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hält fest, dass Besucher in der Schweiz Motorfahrzeuge mit einem gültigen nationalen oder internationalen Führerausweis führen dürfen. Wer länger als zwölf Monate dort wohnt, braucht einen Schweizer Ausweis.
Zwei Punkte konnten wir in keiner amtlichen Quelle eindeutig bestätigt finden: welches Mindestalter die Schweiz für ausländische Mopedauto-Fahrer verlangt, und ob ein Leichtkraftfahrzeug mit deutschem Versicherungskennzeichen ohne weitere Papiere einreisen darf. Prüfen Sie beides vor der Reise beim ADAC oder beim Bundesamt für Strassen (ASTRA). Bei der Versicherung ist die Lage klarer: Eine Grüne Karte verlangt die Schweiz laut ADAC bei einem Unfall nicht mehr. Für Basel und Zürich haben wir eigene Stadtseiten.
Niederlande: das „brommobiel”
In den Niederlanden heißt das Mopedauto „brommobiel”. Die Regeln der niederländischen Regierung sind deutlich: mindestens 16 Jahre, Führerschein AM oder AM4 (B und A gehen auch), Haftpflichtversicherung, Gurtpflicht. Gefahren wird auf der Fahrbahn, Radwege, kombinierte Rad- und Mopedwege und Gehwege sind tabu. Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h. Das Mindestalter deckt sich hier mit der deutschen Regel, Sie dürfen ab 16 einreisen.
Frankreich, Italien und Polen
Frankreich ist das Herkunftsland vieler Mopedautos, dort heißen sie „voiturette” oder „voiture sans permis”. Die Klasse AM erlaubt laut der staatlichen Verkehrssicherheitsbehörde Sécurité routière ab 14 Jahren das Fahren solcher leichten Vierräder. Für Sie bleibt es bei 16.
In Italien gelten Mopedautos als „quadricicli leggeri”. Der Automobilclub ACI nennt ebenfalls 14 Jahre mit dem Führerschein AM und eine Besonderheit: Minderjährige dürfen erst ab 16 einen Beifahrer mitnehmen. Schnellstraßen, Stadtautobahnen („tangenziali”) und Autobahnen sind für diese Fahrzeuge gesperrt. In den Altstädten kommen die Zonen mit beschränktem Verkehr (ZTL) hinzu, die Sie vor der Fahrt prüfen sollten.
Polen führt das Mopedauto als „czterokołowiec lekki”. Das polnische Infrastrukturministerium ordnet es der Klasse AM zu, Mindestalter dort 14 Jahre. Für deutsche Fahrer gilt auch hier: erst ab 16.
Versicherungskennzeichen und Grüne Karte im Ausland
Das Mopedauto hat kein amtliches Kennzeichen, sondern ein Versicherungskennzeichen. Das wirft die naheliegende Frage auf, ob es im Ausland als Versicherungsnachweis zählt. Die EU-Kfz-Haftpflichtrichtlinie 2009/103/EG berücksichtigt diesen Fall ausdrücklich: Trägt ein Fahrzeug statt eines amtlichen Kennzeichens ein Versicherungsschild, gilt der Staat, der das Schild ausgegeben hat, als sein Standort. Die Haftpflicht muss Schäden in den anderen Mitgliedstaaten nach deren Recht abdecken.
Zur Grünen Karte schreibt der ADAC: In der EU sowie in der Schweiz, Norwegen, Island, Liechtenstein, Serbien und Montenegro wird sie bei einem Unfall nicht mehr benötigt. In Ländern wie Albanien, Bosnien-Herzegowina, der Türkei oder Nordmazedonien bleibt sie Pflicht. Hilfreich ist sie trotzdem, weil sie die Unfallaufnahme erleichtert. Fragen Sie Ihren Versicherer, ob er sie für Ihren Mopedauto-Vertrag ausstellt, und ob Teil- oder Vollkasko im Ausland mitgilt.
Ein Detail, das bei Reisen im Spätwinter Ärger macht: Das Versicherungsjahr endet Ende Februar. Wer Anfang März mit dem Kennzeichen des Vorjahres über die Grenze fährt, ist nicht versichert.
Diese Papiere gehören ins Handschuhfach
- Personalausweis oder Reisepass
- Führerschein (Klasse AM oder höher, ohne Schlüsselzahl 195, also ab 16)
- Versicherungsbescheinigung zum Versicherungskennzeichen
- Grüne Karte, wenn Ihr Versicherer sie ausstellt
- Notrufnummer der Versicherung und des Schutzbriefs
Routen im Ausland: langsamer planen
Mit 45 km/h fahren Sie im Ausland dieselben Umwege wie zu Hause, nur auf Straßen, die Sie nicht kennen. In Deutschland ist die Autobahn Fahrzeugen vorbehalten, die bauartbedingt schneller als 60 km/h fahren, in Italien sind Schnellstraßen und Autobahnen ausdrücklich gesperrt. Eine gewöhnliche Navi-App schickt Sie trotzdem gerne auf die schnellste Verbindung.
TacTac plant Routen, die Autobahnen und für Mopedautos gesperrte Straßen auslassen, und rechnet die Fahrzeit mit 45 km/h. Wie lange typische Strecken tatsächlich dauern, zeigen unsere Mopedauto-Routen.
Für alle Länder, die in der Tabelle mit „vor der Reise beim ADAC prüfen” markiert sind, gilt dasselbe: Lieber vorher eine Auskunft einholen, als an der Grenze oder bei einer Kontrolle zu improvisieren.